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22.09.2009

„Neue Beschussklassen – Innovative Lösungen“ – so lautete das Motto einer Fachtagung für Sicherheitsexperten in Ulm. Auf Einladung der Firma HAVERKAMP aus dem westfälischen Münster haben am vergangenen Donnerstag mehr als 130 Sicherheitsverantwortliche aus Unternehmen und Behörden daran teilgenommen. „Die Entwicklung der Waffentechnik schreitet deutlich schneller voran als die Normierung der Beschussklassen“, erklärt Bernhard Haverkamp, Mitglied der Geschäftsleitung der HAVERKAMP GmbH. „Unser Ziel als führendes Unternehmen der Sicherheitstechnik war es, auf der Tagung mögliche Lösungen vorzustellen.“

130 Sicherheitsexperten in Ulm - Fachtagung zu neuen Beschussklassen

 

Die Veranstaltung eröffnete Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamtes. In seinem Vortrag „Terroristische Bedrohungslage in Deutschland“ sagte er, dass Deutschland in der Terrorismusbekämpfung gut aufgestellt sei. Derzeit seien den deutschen Behörden mehr als 100 Personen bekannt, von denen eine besondere Gefahr ausgehe und die deswegen einer speziellen Überwachung unterliegen würden. Generelles Ziel des Bundeskriminalamtes sei eine Vorverlagerungsstrategie. Die Planung von Straftaten müsse bereits in den Herkunftsländern des internationalen Terrorismus bekämpft werden.

Im Anschluss erläuterte Rudolf Frieß vom Beschussamt Ulm, dass die Verbreitung von modernen Waffen und wirksamer Munition durch politische Konflikte und Terrorismus begünstigt wird. Deshalb sei es dringend notwendig, die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen durch die Anwendung aktueller technischer Normen und Regeln sicherzustellen, die sich jedoch an der realen Bedrohung und dem Stand der Waffen- und Munitionstechnik orien-tieren müssen. Frieß forderte, neue Beschussklassen einzuführen, beziehungsweise die bestehenden Normen zu aktualisieren. Dazu stellte er das Klassifizierungs- und Prüfsystem der VPAM (Vereinigung der europäischen Prüfstellen für angriffshemmende Materialien und Konstruktionen) vor.

Albert Pantel (Union Stahl GmbH) und Dr. Hartmut Kaiser (ThyssenKrupp Steel GmbH) stellten Stähle für den ballistischen Schutz sowie zum Minen- und Sprengschutz vor.

Ulrich Weynell (HAVERKAMP GmbH) präsentierte das HAVERKAMP Zwiebelmodell. Der Schutz von Grundstücken- und Gebäuden vor Anschlägen beginnt bei Alarmzäunen und führt über die Sicherung von Fassaden, Türen und Fenstern. Die Folie Profilon ® ER 1, die auf Fenster aufgetragen wird, ist beispielsweise sprengwirkungshemmend und bietet den entsprechenden Schutz bei Anschlägen. Als Rückzugsmöglichkeit in Gebäuden dient der Save Haven. Diese Räume sind so verstärkt, dass sie auch massiven Aufbruchsversuchen standhalten.

Zum Abschluss des Vormittags stellte Bernhard Haver-kamp innovative Schutzmöglichkeiten vor. So präsentierte er durchschusshemmende Schiebefenster und Vorverglasungen, die auch modernen Sniper-Waffen standhalten.

Den Nachmittag verbrachten die Tagungsteilnehmer im Beschussamt Ulm. In Live-Demonstrationen wurden ihnen Lösungen zur aktuellen Sicherheitsproblematiken präsentiert. „Im Beschussamt haben wir beispielsweise Tests mit zwei typischen Scharfschützen-Gewehren durchgeführt“, so Bernhard Haverkamp. „Unsere durchschusshemmenden Verglasungen mit HAKAGARD® 19 haben erwartungsgemäß sowohl einem Beschuss mit Kaliber .50 BMG als auch einem mit .338 Lapua Magnum standgehalten.“ Die derzeitige Euro-Norm von Beschussklassen DIN EN 1522 reicht nur bis 3.200 Joule. Moderne Scharfschützen-Gewehre verfügen jedoch über 6.000 bis 18.000 Joule. „Daher muss die Euro-Norm dringend ergänzt werden“, erklärt Haverkamp.

Neben den Beschusstests konnten sich die Teilnehmer der Tagung am Nachmittag auch in einer Waffenausstellung informieren oder Security-Fahrzeuge der Firma PSV besichtigen.

„Wir freuen uns über die große Resonanz auf unsere Tagung“, bilanziert Bernhard Haverkamp. „Auch künftig werden wir es als unsere Aufgabe ansehen, Sicherheits-experten ein Forum zu schaffen.“

 

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